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Liquidationswert und Verkehrswert: die Wertbegriffe im Vergleich

Bewertung einer Werkzeugmaschine zur Ermittlung von Zeitwert und Liquidationswert
⚡ Zusammenfassung

Dieselbe Maschine hat je nach Szenario verschiedene Werte. Der Verkehrswert beschreibt den Preis bei geordnetem Verkauf am Markt, der Zeitwert den Zustand der Sache nach Alter und Abnutzung, der Fortführungswert die Annahme eines weiterlaufenden Betriebs und der Liquidationswert die zügige Versilberung unter Zeitdruck abzüglich der Verwertungskosten. In der Praxis liegt der Liquidationswert erfahrungsgemäß grob 30 bis 70 Prozent unter dem Verkehrswert; diese Spanne ist eine unverbindliche Markteinschätzung, kein Maßstab für den Einzelfall. Alle Wertangaben sind Schätzungen.

Inhalt
  1. Verkehrswert: der Marktpreis bei geordnetem Verkauf
  2. Zeitwert: der Blick auf die Sache
  3. Fortführungswert und Liquidationswert
  4. Die Wertbegriffe im Vergleich
  5. Welcher Wert wann maßgeblich ist

Verkehrswert: der Marktpreis bei geordnetem Verkauf

Der Verkehrswert, oft auch Marktwert genannt, ist der Preis, der sich am Markt bei einem geordneten Verkauf erzielen lässt: mit angemessener Vermarktungszeit, erreichbarem Käuferkreis und ohne Zwang, zu einem bestimmten Termin abzuschließen. Bei Maschinen bestimmen ihn vor allem Hersteller und Typ, Steuerungsgeneration, Baujahr, Zustand und die aktuelle Nachfrage. Wie diese Faktoren zusammenspielen, zeigt der Beitrag Maschinen richtig bewerten.

Zeitwert: der Blick auf die Sache

Der Zeitwert beschreibt den Wert der Sache selbst unter Berücksichtigung von Alter, Zustand und Abnutzung. Gerechnet wird er häufig als Wiederbeschaffungswert einer vergleichbaren neuen Anlage abzüglich der Wertminderung durch Nutzung und technischen Fortschritt; geläufig ist der Begriff vor allem aus dem Versicherungsbereich. Zeitwert und Verkehrswert liegen oft nah beieinander, sind aber nicht dasselbe: Der Zeitwert blickt auf die Sache, der Verkehrswert auf den Markt. Eine technisch gut erhaltene Anlage kann einen ordentlichen Zeitwert und trotzdem kaum Käufer haben.

Fortführungswert und Liquidationswert

Sobald ein Betrieb in die Krise gerät, treten zwei Szenario-Werte in den Vordergrund. Der Fortführungswert unterstellt, dass der Betrieb weiterläuft oder als Einheit verkauft wird (Going Concern): Die Maschine bleibt Teil eines funktionierenden Ganzen und wird entsprechend höher angesetzt. Der Liquidationswert unterstellt das Gegenteil: Der Betrieb wird aufgelöst, der Bestand unter Zeitdruck versilbert, und von den Erlösen gehen die Kosten für Demontage, Räumung und Verkauf ab. Bei der Einzelverwertung spricht man auch vom Zerschlagungswert.

Wie groß der Abstand ist, hängt vom Einzelfall ab. In der Praxis werden je nach Maschinentyp, Marktlage und Zeitdruck erfahrungsgemäß Abschläge von grob 30 bis 70 Prozent gegenüber dem Verkehrswert angesetzt: Bei marktgängigen Standardmaschinen mit breitem Käuferkreis fällt der Abschlag geringer aus, bei Sondermaschinen und verketteten Anlagen höher. Diese Spanne ist eine unverbindliche Markteinschätzung aus der Verwertungspraxis, kein Rechenmaßstab für den Einzelfall.

Alle Wertangaben und Spannen sind Schätzungen und keine garantierten Erlöse oder Bewertungsmaßstäbe. Maßgeblich sind Zustand, Markt und Umstände des Einzelfalls; gerichtsfeste Wertermittlungen sind Sachverständigen vorbehalten.

Die Wertbegriffe im Vergleich

WertbegriffSzenarioZeithorizontTypisches Niveau
VerkehrswertGeordneter Verkauf am MarktAngemessene VermarktungszeitReferenzgröße
ZeitwertZustand der Sache (Alter, Abnutzung)StichtagsbezogenNahe am Verkehrswert, aber sachbezogen
FortführungswertBetrieb läuft weiter oder wird als Einheit verkauftMittelfristigOberhalb des Liquidationswerts
LiquidationswertAuflösung unter Zeitdruck, Kosten gehen abKurzfristigDeutlich unter dem Verkehrswert
ZerschlagungswertEinzelverwertung des BestandsKurzfristigUnterste Bandbreite

Welcher Wert wann maßgeblich ist

Im Insolvenzverfahren werden im Masseverzeichnis regelmäßig Fortführungs- und Zerschlagungswert nebeneinander ausgewiesen; welcher realisiert wird, entscheidet der Verlauf des Verfahrens. Beim freien Verkauf eines Bestands ist der Verkehrswert die Verhandlungsbasis, etwa wenn ein Maschinenpark verkauft wird. Und in der Bilanz steht der Buchwert, der mit beidem wenig zu tun hat: Eine voll abgeschriebene, gepflegte CNC-Maschine kann am Markt erhebliche Preise erzielen, eine junge Sondermaschine trotz hohen Buchwerts unverkäuflich sein.

Für die Abwicklungspraxis heißt das: Erst die marktnahe Bewertung je Position macht aus Wertbegriffen belastbare Zahlen. assetaux schätzt dabei ein, ob eine Anlage vermarktbar ist, wer als Käufer infrage kommt und welcher Preis realistisch ist, und verrechnet das Ergebnis mit den Kosten für Rückbau und Entsorgung zu einem verbindlichen Angebot.

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Begriffe der Bewertung kurz erklärt

Verkehrswert
Der am Markt bei geordnetem Verkauf mit angemessener Vermarktungszeit erzielbare Preis einer Sache.
Zeitwert
Wert einer Sache unter Berücksichtigung von Alter, Zustand und Abnutzung, häufig als Wiederbeschaffungswert abzüglich Wertminderung gerechnet.
Fortführungswert
Wert einer Anlage unter der Annahme, dass der Betrieb weiterläuft oder als Einheit verkauft wird (Going Concern).
Liquidationswert
Bei Auflösung des Betriebs unter Zeitdruck erzielbarer Wert abzüglich der Verwertungskosten; liegt regelmäßig deutlich unter dem Verkehrswert.
Zerschlagungswert
Liquidationswert bei Einzelverwertung des Bestands, wenn der Betrieb nicht fortgeführt oder als Einheit verkauft werden kann.

Alle Begriffe im Glossar zur Standortabwicklung.

Häufige Fragen zu Liquidationswert und Verkehrswert

Was ist der Unterschied zwischen Verkehrswert und Zeitwert?
Der Verkehrswert ist der Preis, der am Markt bei einem geordneten Verkauf mit angemessener Vermarktungszeit erzielbar wäre. Der Zeitwert ist der Wert der Sache unter Berücksichtigung von Alter, Zustand und Abnutzung, häufig als Wiederbeschaffungswert abzüglich Wertminderung gerechnet. Beide liegen oft nah beieinander, sind aber nicht dasselbe: Der Zeitwert blickt auf die Sache, der Verkehrswert auf den Markt.
Was ist der Liquidationswert?
Der Liquidationswert ist der Wert, der bei einer Auflösung des Betriebs unter Zeitdruck erzielbar ist, abzüglich der Kosten für Demontage, Räumung und Verkauf. Er unterstellt keinen geordneten Marktverkauf, sondern eine zügige Versilberung. Deshalb liegt er regelmäßig deutlich unter Verkehrswert und Zeitwert.
Wie viel niedriger ist der Liquidationswert als der Verkehrswert?
Eine feste Formel gibt es nicht. In der Praxis werden je nach Maschinentyp, Marktlage und Zeitdruck erfahrungsgemäß Abschläge von grob 30 bis 70 Prozent gegenüber dem Verkehrswert angesetzt; bei marktgängigen Standardmaschinen fällt der Abschlag geringer aus, bei Sondermaschinen höher. Diese Spanne ist eine unverbindliche Markteinschätzung und kein Maßstab für den Einzelfall.
Welcher Wert gilt im Insolvenzverfahren?
Im Masseverzeichnis werden regelmäßig zwei Werte nebeneinander ausgewiesen: der Fortführungswert für den Fall, dass der Betrieb weiterläuft oder als Einheit verkauft wird, und der Liquidations- oder Zerschlagungswert für die Einzelverwertung. Welcher am Ende realisiert wird, hängt vom Verlauf des Verfahrens ab.
Ist der Buchwert einer Maschine ihr Marktwert?
Nein. Der Buchwert folgt der planmäßigen Abschreibung und kann den Marktwert in beide Richtungen verfehlen: Eine voll abgeschriebene, gepflegte CNC-Maschine kann am Markt noch erhebliche Preise erzielen, während eine junge Sondermaschine trotz hohen Buchwerts kaum Käufer findet. Für Verkauf und Verwertung zählt der Markt, nicht die Bilanz.
Wer ermittelt Verkehrswert und Liquidationswert?
Für gerichtsfeste Gutachten sind öffentlich bestellte Sachverständige zuständig. Für die Verwertungspraxis zählt die marktnahe Einschätzung: Verwerter wie assetaux bewerten je Position, ob eine Anlage vermarktbar ist, wer als Käufer infrage kommt und welcher Preis realistisch ist. Alle Wertangaben sind Schätzungen, keine garantierten Erlöse.

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